Kongress

S-08 - Das „richtige“ Sitzen – ist das noch zeitgemäß?

Eine prüfende Betrachtung aus wissenschaftlicher Sicht

Kurzbeschreibung

Grundlagenseminar (ohne Vorkenntnisse)
2 Unterrichtseinheiten / Fortbildungspunkte

Beschreibung

Was weiß man bisher? Sitzen spielt in unserem heutigen Alltag eine zunehmend große Rolle – bis zu sechs Stunden täglich sitzt eine europäische Person im Schnitt (vgl. Loyen et al., 2016). Als häufige Ursachen hierfür werden beispielweise eine hohe Wirbelsäulenbelastung oder falsche Sitzpositionen genannt. Doch die Wissenschaft sagt etwas anderes: bisher lassen sich keine fundierten Empfehlungen für oder gegen bestimmte Sitzpositionen ableiten, eine „richtige“ Position scheint es nach aktuellem Kenntnisstand nicht zu geben. Zudem konnte trotz eines gehäuften Vorkommens muskuloskelettaler Beschwerden in Verbindung mit Sitzen bisher kein kausaler Zusammenhang gefunden werden (vgl. Physio Meets Science, 2018, 2019, 2021, Slater et al., 2019, Swain et al., 2019). Was bedeutet das für die Praxis? Für uns Therapeut*innen bedeutet das zwei Herausforderungen: zum einen stets kritisch zu bleiben, alte Denkweisen und Erklärungsmodelle – „Setz‘ dich richtig hin!“ – zu hinterfragen und mit Fakten aus der Wissenschaft zu aktualisieren. Auf der anderen Seite unseren Patient*innen dieses Wissen plausibel und für sie verständlich zu vermitteln, gerade wenn es um Themen geht, bei denen häufig „Doktor Internet“ befragt und in (sozialen) Medien mit viel Meinung, meist aber wenig wissenschaftlicher Grundlage argumentiert wird. Was erwartet die Teilnehmenden im Seminar? In diesem Seminar werfen wir einen Blick in die Forschung und erarbeiten gemeinsam anhand ausgewählter Studien, welchen Einfluss unterschiedliche Sitzpositionen auf die biomechanische Belastung der Wirbelsäule tatsächlich haben. Anschließend werden wir auf einige Schlüsselpunkte eingehen, die die Notwenigkeit verdeutlichen veraltete Haltungsnarrative wie das „richtige“ Sitzen zu hinterfragen. Im praktischen Teil werden anhand konkreter Beispiele aus der Praxis Kommunikationsstrategien erarbeitet, wie eine patientenorientierte Edukation zu diesem Thema aussehen könnte.

Referent: